Thesaurierende ETFs

Grundsätzlich gilt: Die Abgeltungssteuer muss sowohl für ausschüttende als auch für thesaurierende ETFs entrichtet werden. Dennoch gibt es feine Unterschiede, die vor allem für eine Entscheidung im Jahr 2008 wichtig sein können. Naturgemäß wirkt sich dies jedoch erst bei größeren Investments signifikant aus.

Während ausschüttende Fonds anfallende Erträge, beispielsweise Dividenden und Zinsen, jährlich an die Anleger auszahlen, führen thesaurierende Fonds diese umgehend dem Fondsvermögen zu, d.h. der Kurs des Underlyings steigt dementsprechend an. In den ETF-Tabellen auf turborendite ist immer mit angegeben, ob es sich um einen thesaurierenden oder einen ausschüttenden Fond handelt. Bei inländischen Fonds (zu erkennen an einer ISIN, die mit DE beginnt) werden diese Erträge direkt von der Fondsgesellschaft abgezogen. Insofern ist die Steuerabgabe auf Dividenden und Zinsen für beiden Varianten auf den ersten Blick die gleiche.

Thesaurierte Gewinne bleiben steuerfrei

Wurde der Fonds noch vor dem 1.1.2009 gekauft, ergibt sich jedoch ein Unterschied bei der Effektivbesteuerung. Werden die ausgeschütteten Erträge wieder angelegt, so gilt dies nach dem Stichtag als Neuanlage. Daher können die Kursgewinne auf den neuen Teil nicht mehr steuerfrei vereinnahmt werden. Im Gegensatz dazu werden bei thesaurierenden Fonds keine neuen Fondsanteile erworben. Kursgewinne auf den thesaurierten Anteil bleiben bei einem späteren Verkauf somit steuerfrei.

Wie viel besser stehen also thesaurierende Fonds, die vor dem 1.1.2009 gekauft wurden gegenüber der ausschüttenden Variante da? Etwa 1/3 der effektiven Aktienrendite rührt von den Zins- und Dividenerträgen. Wir müssen jedoch den Kursgewinn auf diesen Anteil berechnen. Weiterhin muss auch berücksichtigt werden, dass diese Erträge erst nach und nach auflaufen. Im Endeffekt können Sie bei einer Einmalanlage von 100.000 Euro, einer Bruttorendite von 8,0% p.a. und einer Laufzeit von 30 Jahren etwa 30.000 Euro bei der Veräußerung sparen.

Andere Faktoren nicht übersehen

Auf die jährliche Nachsteuerrendite wirkt sich dies mit etwa 0,11% aus. Andere Faktoren, wie Diversifikation, die Auswahlkriterien des Fonds sowie Managmentkosten bzw. der TER (Total Expense Ratio) sind da mindestens ebenso wichtig wenn nicht wichtiger. Dennoch: bei sonst gleichen Voraussetzungen sollte einem thesaurierenden Fond, sofern er noch in 2008 erworben wird, der Vorzug gegeben werden.

Darüber hinaus bieten ausländische, thesaurierende Fonds (zu erkennen an einer ISIN, die nicht mit DE beginnt) einen steuerlichen Vorteil, unabhängig vom Erwerbszeitpunkt. Der Steuerabzug erfolgt hier nicht automatisch, sondern wird erst bei der Steuererklärung veranlagt. Somit weisen ausländische, thesaurierende Fonds einen positiven Steuerstundungseffekt auf: Zwar müssen Sie die gleichen Steuern bezahlen, doch erst zu einem späteren Zeitpunkt.

Vorteile durch Steuerstundung sind marginal

Aus der möglichen Verzinsung ergibt sich ein Vorteil, der die Nachsteuerrendite nach unseren Berechnungen um etwa 0,02% p.a. drückt. Hier zeigt sich: andere Faktoren beeinflussen die Fondsperformance sicherlich stärker. Die Auswahl der Fonds, die TER (Total Expense Ratio) sowie der Tracking-Error sind weit wichtiger. Auch sollte folgendes nicht vergessen werden: Der marginalen Ersparnisse von 0,02% p.a. steht ein deutlich erhöhter Aufwand bei der Steuererklärung gegenüber, denn Sie sind dann selbst dafür verantwortlich, alle thesaurierten Erträge genau aufzulisten.

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