Risikolos Investieren
Diese Studie von turboRendite Research bewertet die Möglichkeiten, die sich momentan einem intelligenten, passiven Investor bieten, den risikoarmen und sicherheitsbezogenen Portfolioanteil abzudecken. Die weit verbreitete Lösung, dies mit einem Anleihe-ETF zu bewerkstelligen, offenbart ernst zu nehmende Schwächen. Doch welche Alternativen gibt es?
Bei der Konstruktion passiver Portfolios wird für den risikolosen Anteil meist zu Anleihe-ETFs geraten. Denn eine Anleihe (Rentenpapier) verspricht Sicherheit durch einen festen Zins (Kupon) und am Ende der Laufzeit die Rückzahlung des Nominalwerts. Letzteres gilt aber nur bei Erwerb am Primärmarkt und bei Verkauf zum Ende der Laufzeit. Anleihe-ETFs unterliegen jedoch - wie alle Rentenfonds - unkalkulierbaren Marktrisiken allen voran Zins- und Inflationsrisiken.
Anleihe-ETFs unterliegen Marktschwankungen
Im momentanen Umfeld von steigenden Zinsen und grassierenden Inflationsängsten bekommen dies ETF-Anleger bitter zu spüren. Beispielsweise verlor der EuroMTS 1-3Y, der als Kurzläufer eigentlich weniger stark von Marktschwankungen betroffen sein sollte, innerhalb der zurückliegenden 3 Monate 0,57%. Beim EuroMTS 3-5Y sieht es mit einem Verlust von 1,80% über den gleichen Zeitraum noch unerquicklicher aus.
Nach Angaben der Fonds-Rating-Agentur Feri haben Rentenfonds im Euroraum in den vergangenen drei Jahren eine durchschnittliche Rendite von mageren 0,18 Prozent erwirtschaftet. Und dies in einer Zeit, in der auf einem einfachen Tagesgeldkonto eine durchschnittlich Rendite von 4 Prozent p.a. zu haben war. An diesen Beispielen wird deutlich: die eigentlichen Vorteile einer Anleihe, nämlich die festen Zinszahlungen und ein fester Auszahlungsbetrag am Ende des Anlagezeitraums, gehen auch bei passiven Anleihe-ETFs verloren.
Annahmen der Portfoliotheorie werden untergraben
Gerade auch aus Sicht der Portfoliokonstruktion, die sich zur Absenkung des Risikos gezielt die Eigenschaften eines risikolosen Anteils mit festen Kuponzahlungen zu nutze macht, stellt sich die Frage, ob Anleihe-ETFs überhaupt ein geeignetes Anlageinstrument für den risikolosen Anteil darstellen.
Zunächst wollen wir jedoch einer anderen Frage nachgehen: Welche alternativen Investitionsinstrumente kommen für die Abdeckung des risikolosen Portfolioanteils überhaupt in Frage? Im Internetzeitalter erscheinen uns die folgenden drei Alternativen attraktiv: (1) Tages- und Festgeld bei Direktbanken, (2) börsengehandelte Geldmarktfonds und der (3) Direkterwerb von Bundeswertpapieren bei der Bundesfinanzagentur.
Direktbanken: Untreue wird mit Überrendite belohnt
Der Wettbewerb um Privatkunden ist unter den Direktbanken in Deutschland nach wie vor hoch. Daher locken diese immer wieder mit attraktiven Zinskonditionen um die Gunst der Anleger. Obwohl bei Hochzinsangeboten die schlechten Bedingungen häufig im kleingedruckten Detail stecken (Laufzeit, Kapitalschutz, Wiederanlage, etc.) so finden sich dennoch immer wieder seriöse Angebote mit Verzinsungen oberhalb des aktuellen Marktzinssatztes. Fast ausnahmslos werden diese Angebote mit kostenlosem Internetbanking sowie kostenfreier Depot- und Kontoführung angeboten.
Am besten fahren diejenigen, die immer nach den aktuell besten Angeboten jagen, die besseren Konditionen für Neukunden einstreichen, nach Ablauf der Fälligkeit ihre Mitgliedschaft kündigen und dann zu einer anderen Direktbank mit besseren aktuellen Konditionen wechseln.
Diese Strategie geht allerdings nur dann auf, wenn die jeweiligen Kündigungsfristen auch eingehalten werden, denn ansonsten droht eine Anschluss-Investition mit unterdurchschnittlicher Verzinsung. Darüber hinaus ist dieser Ansatz nur bei relativ geringen Anlagesummen zu empfehlen: nicht selten ist der Kapitalschutz auf 20.000 EUR beschränkt oder der beworbene Zinssatz ist ab einer bestimmten Höhe gedeckelt. Natürlich kann man auch hier sein Kapital auf verschiedene Direktbanken verteilen, doch der Überblick geht dann schnell verloren.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass in der momentanen Wettbewerbsituation mit dem Direktbanken-Konzept eine sehr attraktive Festzinsrendite für den risikolosen Portfolioanteil erzielen lässt, ohne ein Marktschwangungsrisiko eingehen zu müssen. Diesem Vorteil steht allerdings der Nachteil des eigenen Verwaltungsaufwands gegenüber (Anträge ausfüllen zur Kontoeröffnung, Kündigungsfristen einhalten, etc.) sowie die Beschränkung auf relativ geringe Anlagebeträge. Auch das Bonitätsrisiko der Bank sollte beachtet werden. Einen Überblick über die aktuellen Konditionen von Direktbanken kann man sich bei www.modern-banking.de verschaffen.
Geldmarktfonds: EONIA garantiert aber nicht mehr
Lyxor und db-xtrackers bieten den passiven Zugang zum Geldmarkt mit einer Indexreplikation des EONIA-Index (Euro Over Night Index Average) ab. Dabei handelt es sich um einen von der Europäischen Zentralbank festgestellten effektiven Tagesgeldsatz, der als gewichteter Durchschnitt aller unbesicherten Tagesgeldausleihungen im Interbankenmarkt berechnet wird. Als Tagesgeldsatz unterliegt dieser Index im Gegensatz zu den Anleihe-ETFs keinem Kursschwankungsrisiko.
Die Vorteile dieses ETF-Investments sind seine hohe Liquidität und tägliche Handelbarkeit über die Börse, einer marktnahen Festverzinsung und einer täglichen Anpassung. Letzteres ist vor allem von Vorteil, wenn die Zinsen steigen, nicht jedoch wenn die Zinsen fallen. Auch der Verwaltungsaufwand ist gering, und der Fonds kann leicht in ein Portfolio, das aus anderen ETFs besteht, integriert werden.
Als alleiniges Anlageinstrument für den risikolosen Anteil besteht jedoch ein gravierender Nachteil: Anleihen oder Festgeld mit längeren Laufzeiten bieten fast immer eine bessere Verzinsung als Tagesgeld - gerade bei einem längerfristigen Investment verzichtet der Anleger daher auf wertvolle Renditepunkte. Liegt der Anlagehorizont jedoch bei weniger als 5 Jahren, so ist diese Variante vor allem aufgrund des geringen Verwaltungsaufwands attraktiv. Weiterführende Informationen finden sich in unserer ETF-Liste.
Bundeswertpapiere: Kalkulierbarer Kupon mit Sicherheit
Mit der Einführung einer variabel verzinsten Tagesgeldanleihe hat die von der Bundesregierung mit der Schuldenverwaltung beauftragte Finanzagentur mit Sitz in Frankfurt erst kürzlich für Aufsehen gesorgt. Für den passiven Investor sind jedoch vor allem die Bundeswertpapiere wie Bundesanleihen, Bundesobligationen, Bundesschatzbriefe u.a. interessant.
Der Vorteil eines Investments in Anleihepapiere der Bundesrepublik Deutschland liegt vor allem in der weltweit erstklassigen Emittentenbonität, die kein anderes Euroland und auch kein Bankhaus überbieten kann. Somit kommt ein Investment in Bundeswertpapiere einer idealen, risikolosen Anlage am nächsten.
Natürlich unterliegen Bundeswertpapiere auch den aktuellen Kursschwankungen, da sie von Privatanlegern nur zum aktuellen Börsenwert erworben werden können (entweder über die Börse oder direkt über ein Schuldbuchkonto der Finanzagentur). Kauft man jedoch heute ein Bundeswertpapier und hält es bis zum Fälligkeitstermin, dann ist die jährliche Rendite fest kalkulierbar: ein unschätzbarer Vorteil gegenüber Anleihe ETFs.
Wer sich die Mühe macht, und die Bundesanleihen direkt über die Bundesfinanzagentur erwirbt, kann auch noch Provisionen oder Ordergebühren sparen. Doch ein gewisser Verwaltungsaufwand bleibt auch hier bestehen: für ein längerfristiges Investment ist eine Staffelung in beispielsweise eine zweijährige, eine vierjährige und eine sechsjährige Anlage sinnvoll. Weitere Informationen, welche Bundeswertpapiere für die Portfoliokonstruktion geeignet sind, werden wir bald auf turboRendite bereitstellen. Darüber hinaus verweisen wir auf die Internetseiten der Finanzagentur GmbH.
Anleihe-ETFs: Nachteile überwiegen
Den großen Nachteil von Anleihe-ETFs, nämlich das Marktschwankungsrisiko, haben wir eingangs ausführlich beschrieben. Doch es gibt auch Vorteile: neben der börsentäglichen Handelbarkeit bieten ETFs auf Anleihen im Euroraum eine starke Diversifizierung, die mit keinem anderen Instrument so kostengünstig erzielt werden kann.
Allerdings führt die Diversifizierung in diesem Fall ausnahmsweise nicht zwangsläufig zu einem geringeren Risiko. Zwar wird das Einzelausfallrisiko minimiert, doch die Einbeziehung anderer Euroländer mit schlechterem Investmentgrade führt insgesamt zu einem höheren Emittentenrisiko. Im Gegenzug kann dies im günstigsten Fall zu einer verbesserten Anleihe-Rendite führen, doch gerade aus Sicht der Portfoliokonstruktion ist es eigentlich kontraproduktiv, sich im sicherheitsbetonten und der Risikoabsicherung dienenden Teil, mehr Risiko einzuhandeln.
Auch die Gleichung "ETF = günstig" geht im Anleihe-Sektor nur bedingt auf: zwar sind Anleihe-ETFs mit einem typischen TER von 0,15% im Vergleich zu aktiven Rentenfonds durchaus billig, doch im Vergleich zu Bundesanleihen, die direkt über die Finanzagentur erworben werden und einen TER von 0,00% aufweisen, wiederum teuer. Eine aktuelle Liste aller in Deutschland zugelassener Anleihe-ETFs finden Sie in unserer ETF-Liste.
FAZIT
Aus Sicht der Portfoliotheorie werden zwei Forderungen an den risikolosen Anteil gestellt: (1) ein Investement der höchsten Bonitätsstufe und (2) eine positive, kalkulierbare Rendite, die sich am aktuellen Kupon der Anleihemärkte orientiert.
Diese beiden wichtigen Eigenschaften, denen gerade auch beim Risikomanagment des Portfolios eine herausragende Rolle zukommt, kann ein Privatanleger momentan nur über den (gestaffelten) Kauf von Bundeswertpapieren erzielen. Werden diese über die Finanzagentur erworben, sind auch die Kosten unschlagbar günstig.
Wer eine etwas höhere Rendite gegen eine höheres Emittentenrisiko eintauschen will, einen gesteigerten Verwaltungsaufwand nicht scheut und Beträge unter 50.000 EUR anlegt, kann sich auch nach soliden Festgeldangeboten umsehen. Die andere Option, in einen Geldmarktfond zu investieren, führt jedoch auf lange Sicht zu Renditeienbußen, und sollte daher nur für kurze Investitionszeiträume in Betracht gezogen werden.
Der Publikumsliebling, die passiven Rentenfonds auf ETF Basis, sind jedoch aufgrund ihrer Konstruktion vor allem für spekulativ eingestellte Investoren geeignet. Für den intelligenten Investor, der nicht auf die Verheißungen des Market-Timings hereinfällt, sind diese Eigenschaften unerwünscht.
Das wichtigste Argument gegen den Kauf von Anleihe-ETFs besteht jedoch in der Erkenntnis, dass diese nicht die geforderten Eigenschaften besitzen, die sich aus der Portfoliotheorie heraus ergeben. Daher führt der Einsatz dieser Instrument zu einer Verzerrung bei der Portfolioanalyse, Portfolioplanung und beim Portfoliomonitoring.
Ergebnisse im Überblick
Abschließend führen wir alle Ergebnisse dieser Studie noch einmal in der unten stehenden Tabelle übersichtlich zusammen.
| Bundes- wertpapiere | Festgeld Direktbank | Geldmarkt- ETFs | Anleihe- ETFs |
|
| Annahmen der Portfoliotheorie |
erfüllt | erfüllt | erfüllt | nicht erfüllt |
| Bonität | höchste Bonität (AAA) | mittel bis hoch (abhängig von Bank) | mittel bis hoch | mittel bis hoch |
| Kosten | gering | gering | hoch | hoch |
| Rendite | kalkulierbar | kalkulierbar | unkalkulierbar | unkalkulierbar |
| Negative Rendite | nein | nein | nein | möglich |
| Renditeerwartung | durchschnittlich | etwas höher | unter- durchschnittlich |
durchschnittlich |
| Kapitalschutz | nein | begrenzt | nein | nein |
| Verwaltungsaufwand | mittel | hoch | gering | gering |
| Handelbarkeit Börse | ja | nein | ja | ja |
| Diversifikation | niedrig | niedrig | niedrig | mittel |
| Schwankungsrisiko | nicht vorhanden | nicht vorhanden | niedrig | hoch |
| Renditeienbußen bei Verkauf vor Fälligkeit oder nach kurzer Anlagedauer | u.u. sehr hoch | gering | gering | u.u. sehr hoch |
| Internetbanking | ja | ja | ja | ja |
| Für hohe Anlagebeträge geeignet | ja | bedingt | ja | ja |
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