Schritt 5: Portfoliostruktur

Wissenschaftlich anerkannte Prinzipien verlangen nach einem diversifizierten, nach eigener Risikoaversion ausgerichteten Portfolio. Zwei unterschiedliche Herangehensweisen zur Konstruktion der Portfoliostruktur sind möglich. Eines davon ist das das Markowitz-Verfahren (oder Varianten davon), bei dem die Struktur mittels historischer Daten optimiert wird. Die so ermittelten Portfolios weisen per Konstruktion die höchste historische(!) Effizienz auf.

Markowitz- oder heuristischer Ansatz?

Die Eingabeparameter für die Optimierung wie beispielsweise die Rendite und das Risiko sind für die Zukunft nicht genau bekannt und damit unweigerlich mit Schätzfehlern behaftet. Dies führt beim Markowitz-Ansatz und ähnlichen Optimierungsverfahren zu großen Problemen, denn sie erweisen sich allesamt als wenig robust gegenüber Unsicherheiten in den Eingabeparametern.

Neuere empirische Analysen zeigen jedoch, dass heuristische Strategien basierend auf makroökonomischen Größen und Plausibilitätsüberlegungen zu robusteren und dennoch effizienten Portfolios führen. Daher ziehen wir diesen Ansatz dem von Markowitz vor. Ein angenehmer Nebeneffekt ist die leichte Umsetzbarkeit dieses Ansatzes für Privatanleger.

Numerische Diversifikation

Diversifikation wird dadurch erreicht, dass jede Anlageklasse in Bezug auf das Gesamtportfolio ein ausgewogenes Gewicht hat. Daher sollte das Gewicht nicht zu groß sein, um die Dominanz einer einzigen Anlageklasse auszuschließen zu können. Gleichwohl sollte es aber auch nicht zu klein sein, um einen messbaren Einfluss auf das Gesamtinvestment zu ermöglichen.

Die erste Bedingung führt zu einem Mindestanteil je Anlageklasse von etwa 5 - 10 Prozent. Letztere zu einem Maximalanteil von etwa 25 - 30 Prozent. Somit führen einfache quantitative Überlegungen zur Diversifikation zu ersten Strukturparametern für das Portfolio.

Risikoadjustierung

Die ermittelte Risikoaversion (Schritte 2) führt in Kombination mit dem Zeithorizont der Anlage (Schritte 3) zu einer relativen Gewichtung des risikolosen Anteils im Verhältnis zum risikoreichen Anteil.

Der Risikolose Anteil wird dabei durch die ersten beiden Kernklassen (normale und inflationsgeschütze Staatsanleihen), der risikobehaftete durch die übrigen Kernklassen (Aktien und Immobilien) abgebildet (Schritt 4). Somit führt die Risikoadjustierung zu einem weiteren Strukturparameter.

Funktionale Diversifikation

Für die Bestimmung der Portfoliostruktur reichen oben genannten Strukturparameter jedoch noch nicht aus. Welche zusätzlichen Kriterien können ein Portfolio auch in schwierigen Marktphasen schützen?

Weitere wichtige Eigenschaften eines wissenschaftlich fundierten Portfolios sind nach unserer Auffassung: Inflationsschutz, Deflationsschutz, Finanzkrisenfestigkeit und Aktienorientierung im risikobehafteten Portfolioanteil.

Referenzportfolio

Wie könnte nun ein Portfolio aussehen, das die genannten Kriterien zur numerischen und funktionalen Diversifikation erfüllt und gleichzeitig die individuelle Risikoaversion berücksichtigt?

Das folgende Referenzportfolio kann als eine erste Orientierung für den wissenschaftlich fundierten Investor dienen. Es sollte dennoch nicht einfach nachgekauft werden. Nicht das Ergebnis der Klassenaufteilung als solches steht hier im Vordergrund, sondern vielmehr die Überlegungen zu seiner Konstruktion. Die gleichen Prinzipien können Sie dann auf Ihr eigenes Portfolio übertragen. Doch nun zurück zum Referenzportfolio. Tusch! Tatataaaaaa!

AnlageklasseSubklassen-VerteilungRisiko-Verteilung (p)Ergebnis (p=70%)
Staatsanleihen 0,500*s Kapitalerhalt
(s=100-p Prozent)
15%
Inflationsgeschütze Staatsanleihen 0,500*s 15%
Aktien Europa 0,429*p Renditetreiber
(p Prozent vom Portfolio)
30%
Aktien außereuropäische Industriestaaten 0,214*p 15%
Emerging Markets 0,071*p   5%
Immobilien 0,285*p 20%

 

Dieses Portfolio unterstellt einen Investor mit 10-jährigem Anlagehorizont und Risikoklasse 4. Aus der Tabelle in Schritt 3 folgt daraus eine Aufteilung in risikolos/risikobehaftet von 30/70 (d.h. also s=30, p=70). Dies führt zunächst zu einem aktienorientierten Portfolio, das zum überwiegenden Teil aus Rendite treibenden Positionen besteht: europäische, außereuropäische und Emerging Market Aktien sowie Immobilien. Damit ist sowohl der Risikoaversion als auch dem Anlagehorizont des Anlegers Rechnung getragen.

Das Portfolio erfüllt auch das numerische Diversifikations- Kriterium: die kleinste Anlageklasse ist mit 5 Prozent vertreten, die größte mit 30 Prozent. In Bezug auf die funktionale Diversifikation schauen wir uns zunächst den Inflationsschutz des Portfolios an: 15% inflationsgeschütze Anleihen plus 20% Immobilien führen zu einem signifikanten Inflationsschutz.

Darüber hinaus bieten 30% Aktien der erfolgreichsten europäischen Unternehmen in Kombination mit 30% Staatsanleihen einen substantiellen Schutz gegen Krisenzeiten. Mit 15% Staatsanleihen (und 15% in Kapital garantierten inflationsgeschützten Anleihen) wehrt das Referenzportfolio auch gegen deflationäre Strömungen.

Das Referenzportfolio berücksichtigt und erfüllt die numerische Diversifikation, die funktionale Diversifikation, die Risikoaversion und den Anlagehorizont des Investors!

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