Schritt 4: Anlageklassen
Eine Anlageklasse (Asset Class) haben Sie in Schritt 3 schon kennen gelernt: Anleihen oder auch Renten genannt, welche den risikolosen Anteil des Portfolios abdecken. Alle weiteren Anlageklassen, die wir im folgenden diskutieren werden, verfügen über ein erhöhtes Risiko. Sofern Sie für sich eine persönliche Risikoklasse größer als Null ermittelt haben, werden Sie Ihr Portfolio durch weitere Anlageklassen ergänzen wollen.
Diversifikation nicht um jeden Preis
Wegen des Diversifikationsgedankens erscheint es zunächst erstrebenswert, so viele Anlageklassen wie möglich zu kombinieren. Im Prinzip ist dies auch richtig. Jedoch ist nicht jede Anlageklasse ein Investment wert. Verschiedene Gründe können dagegen sprechen: zu geringe erwartete Rendite, zu geringe Liquidität, ungeeignete Replikation, zu hohes Risiko, u.v.m.
Qualität der Anlageklasse entscheidend
Anlageklassen müssen mehrere wichtige Kriterien erfüllen, damit sie ein ausgewogenes, wissenschaftlich fundiertes Portfolio bilden können. Erstens muss jede Klasse werthaltige und einzigartige Eigenschaften aufweisen. Beispielsweise sollte sie eine substantielle, wirtschaftlich begründbare Rendite erwarten lassen, eine starke positive Korrelation mit der Inflation aufweisen sowie einen Mindestschutz in Finanzkrisen bieten.
Zweitens erwirtschaften Anlageklassen marktgetriebene Renditen, die passives Investieren ermöglichen. Drittens schaffen Anlageklassen Zugang zu breiten, tiefen und investierbaren Märkten. Letzteres schließt implizit Investments in Mode- und Trendthemen aus.
Wichtige Anlageklassen
Die drei übergeordneten Anlageklassen, welche die oben genannten Kriterien erfüllen, sind Anleihen, Aktien und Immobilien. Bei Anwendung der gleichen Kriterien lassen sich Anleihen noch in die Unterklassen Staatsanleihen und in Inflationsgeschützte Staatsanleihen untergliedern.
Ähnlich ist eine Gliederung der Anlageklasse Aktien in Europäische Aktien, Außereuropäische Aktien der Industriestaaten und in Emerging Markets möglich. Die Anlageklasse Immobilien weist sowohl Eigenschaften von Aktien als auch von Anleihen auf. Sie ermöglicht Inflationsschutz bei geringeren Opportunitätskosten.
Sechs Kernklassen
Ein gut diversifiziertes Portfolio wird daher meist aus den den folgenden sechs Anlageklassen bestehen, die wir im folgenden als Kernklassen bezeichnen:
- Staatsanleihen,
- Inflationsgeschützte Staatsanleihen,
- Europäische Aktien,
- Außereuropäische Aktien (Industriestaaten),
- Emerging Markets und
- Immobilien (Europa).
Mehr Anlageklassen sind für die meisten Privatinvestoren kontraproduktiv, weniger je nach Zielsetzung sinnvoll. So wird ein Investor mit Risikoklasse Null nur in die ersten beiden investieren.
Auch das erhöhte Risiko, das mit Emerging Markets einhergeht, wird nicht jeder Investor tragen wollen - trotz erhöhter Ertragschancen. Die Anlageklasse Immobilien wird fehlen, wenn Investoren den im Vergleich zum amerikanischen Markt unterentwickelten europäischen Immobilien-ETFs skeptisch gegenüber stehen.
Eigene Anlageklassen bestimmen
Von den vorgestellten sechs Kernklassen sollten Sie nun diejenigen für sich auswählen, an denen Sie langfristig und auch unter widrigen Bedingungen (sprich Finanz- und Wirtschaftskrisen) festhalten werden.
Wie die gewählten Anlageklassen kombiniert werden können, um ein ausgewogenes, diversifiziertes und wissenschaftlich fundiertes Portfolio zu erstellen, werden wir im folgenden Schritt aufzeigen.
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