Risiko verstehen lernen

Letztlich sind sich alle Anleger doch einig, frei nach dem Motto: Maximale Rendite bei minimalem Risiko! Leider gibt es da einen gewichtigen Haken: Beides ist nicht gleichzeitig zu haben. Da Risiko und Rendite wie zwei Seiten einer Medaille verknüpft sind, kann eine bestimmte Renditeerwartung nur erzielt werden, wenn auch ein entsprechendes Risiko eingegangen wird.

Insofern gibt es eine Notwendigkeit, Risiko einzugehen (für die man mit einem wissenschaftlich fundierten Portfolio aber auch eine vollständige Kompensation - sprich Entlohnung - erwarten kann). Andererseits sollte das Risiko aber nicht höher gewählt werden, als dies die eigene Bereitschaft zulässt, alle Höhen und Tiefen des Marktes ohne Nervosität aussitzen zu können.

Ist Risiko messbar?

Bevor wir uns mit der eigentlich spannenden Frage beschäftigen, nämlich wie man das geeignete Risiko für ein bestimmtes Investitionsziel unter Berücksichtigung der eignen Notwendigkeit zum Risiko sowie der eigenen Bereitschaft zum selbigen ermittelt, wollen wir uns erstmal mit dem Begriff Risiko auseinander setzen. Nur wer das Risiko einer Investition versteht, ist auch in der Lage eine informierte Entscheidung darüber zu treffen, welches Risiko er eingehen will oder kann.

Das gängigste Maß für die Risikoeinschätzung eines Portfolios ist die Standardabweichung der Rendite. Standardabweichung ist eine statistisches Maß für die Schwankung der Renditen relativ zur Durchschnittsrendite. Vereinfacht ausgedrückt: Für Normalverteilungen bildet 1 Standardabweichung (auch als 1σ bezeichnet) links und rechts vom Mittelwert einen Bereich, dessen Werte in 2/3 aller Fälle eintreten. Bei einer durchschnittlichen jährlichen Rendite von 10% und einer Standardabweichung von 20% bedeutet dies, dass in einem von 3 Jahren die Rendite außerhalb des Bereichs von -10% und +30% zu erwarten ist.

Von der Standardabweichung zum Verlustrisiko

Für Normalverteilungen, bekannt auch als die Gaußsche Glockenkurve, kann man die so genannte 3σ-Regel anwenden: bis zu 1σ unterhalb und oberhalb des Mittelwertes liegen 68%, innerhalb von 2σ liegen 95% und innerhalb von 3σ liegen 99,7% aller Erwartungswerte. Das praktische an dem Maß der Standardabweichung, um Risiko messbar zu machen, ist die Einfachheit bei der Berechnung sowie der statistischen Aussagekraft und Vergleichbarkeit. Für Bankberater kommt ein weiterer Vorteil hinzu, nämlich der, dass das Konzept der Standardabweichung von den meisten Investoren nicht oder nur unzureichend verstanden wird.

Eine Reihe psychologischer Studien in Deutschland haben ergeben, dass die meisten Privatanleger, wenn es um die Risikoeinschätzung von Geldanlagen geht, vor allem mit einer Form des Risikos etwas anfangen können und dieses die Anlageentscheidung maßgeblich bestimmt: das Verlustrisiko. Diesem Faktum tragen wir auf turboRendite Rechnung, indem wir neben der Standardabweichung immer auch das Verlustrisiko berechnen und mit angeben.

Wie lässt sich das Verlustrisiko sinnvoll bestimmen? Ein anschaulicher Weg führt über die historische und statistische Verteilungsfunktionen. Dabei schauen wir uns an, wie häufig die Rendite in einem bestimmten Intervall lag. Das untere Extrem der Verteilung zeigt das maximale Verlustrisiko. Am besten wird dies anhand einiger Graphen anschaulich.

Verlustrisiko als Risikomass

Der unten stehende Graph zeigt die jährlichen Performance-Renditen des MSCI World Index für einen Zeitraum von 38 Jahren. Bei einer Haltedauer von nur einem Jahr betrug das maximale, historische Verlustrisiko 25%, d.h. im ungünstigsten Jahr konnte ein Anleger ein Viertel seines Anlagevermögens verlieren!

Auch wenn Aktienkurse nur annähernd einer Normalverteilung folgen, so zeigt der Vergleich mit dieser statistischen Verteilungsfunktion, dass dieses Verlustrisiko in einem von 38 Jahren durchaus zu erwarten war - und dies bei einem Investment das zwar nicht optimal aber durchaus gut diversifiziert war. Zum Vergleich: Der MSCI World Index hatte eine mittlere jährliche Rendite von etwa 12% mit einer Standardabweichung von fast 17%.


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Es wurden die jährlichen Performance-Renditen des MSCI World Index im Zeitraum von 1969 bis einschließlich 2007 berücksichtigt.


Ein Verlustrisiko von 25% ist natürlich für die meisten Anleger nicht tolerierbar. Andererseits ist dies der Preis für die Chance, 45% Gewinn innerhalb eines Jahres zu machen - das andere Extrem der Verteilung. Es gibt jedoch zwei Wege, das Verlustrisiko zu minimieren. Erstens den Anlagezeitraum zu erhöhen und zweitens eine risikolose Anlagekomponente beizumischen.

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