Allokation und Risiko

James Tobin, damals Direktor der Cowles Commission, erweiterte das Modell von Markowitz schon 1959 und erhielt für seine Beiträge zur Portfoliotheorie 1981, neun Jahre vor Markowitz, den Nobelpreis.

Tobin entwickelte eine allgemeine Theorie über Art und Weise der Diversifikation eines Vermögens und ging ferner der Frage nach, welche Auswirkungen dies auf die Geldwirtschaft hätte.

Von der Tobin-Separation zur vereinfachten Portfolioselektion

Auf Tobin geht auch eine radikale Vereinfachung der Portfolioselektion oder Asset Allocation zurück, die heute gang und gäbe ist: Nach der so genannten Tobin-Separation lässt sich die Konstruktion eines optimales Portfolio in zwei einfache Schritte zerlegen:

  1. Zuerst wird eine geeignete Kombination zwischen "risikoloser" und "risikobehafteter" Assets gewählt, wobei mit "risikolos" eine Anlage gemeint ist, bei der alle versprochenen Zahlungen termingerecht und in vereinbarter Höhe erfolgen werden (also etwa Staatsanleihen höchster Bonität mit fixen Kuponzahlungen). Dabei wird die Aufteilung zwischen den beiden Komponenten allein durch die Risikoaversion des Anlegers gesteuert.
  2. Die Zusammensetzung innerhalb des risikobehafteten Anteils (beispielsweise die Wahl der Aktien innerhalb eines Indexkorbes), das Tobin als Marktportfolio bezeichnet, ist optimal bestimmbar und damit in letzter Konsequenz unabhängig von der Risikoneigung des Anlegers.

Der Begriff Risiko wird immer wieder falsch verwendet

Wird diese einfache, wissenschaftlich fundierte Erkenntnis, die ja eine immense Bedeutung für Ihre Anlageentscheidung haben sollte, im Bankberatungsgespräch thematisiert? Wohl kaum. Paradoxerweise wird der Begriff des Risikos oft völlig falsch verwendet. Meist wird man nämlich bei reinen Aktieninvestments gefragt, welche Risikoneigung man mitbringt.

Denn häufig ordnen Banken Aktieninvestments in drei Kategorien ein: risikoscheu, risikobewusst und risikofreudig. Wer in solchen Kategorien denkt, wird zwangsläufig ein schlechtes Rendite-Risiko-Verhältnis eingehen. Denn nur das optimale Marktportfolio bietet das beste Rendite-Risiko-Verhältnis, und das sollte jeder wählen, unabhängig von der jeweiligen Risikoneigung!

Gesucht: Risikoneigung und effizientes Marktportfolio

Der Aufbau eines maximal effizienten Portfolios, das gleichzeitig die Risikoaversion und den Zeithorizont des Anlegers berücksichtigt, rückt mit diesem Ansatz von Tobin in greifbare Nähe. Der passive Investor hat demnach im Wesentlichen zwei Aufgabe zu erfüllen.

Erstens anhand seiner Investitionsziele und seines anvisierten Investitions-Zeitraums einen geeigneten Risikograd zu ermitteln (dieses bestimmt die Verteilung zwischen risikolosem und risikobehaftetem Investment), und zweitens, ein optimales Marktportfolio, d.h. eine optimal diversifizierte risikobehaftete Anlage zu erstellen.

Diesen Artikel bookmarken bei  

WebNews  YiGG  mrwong  Google  Folkd  OneView  delicious  Linkarena  BlinkList  Furl  Yahoo  Digg